Das Phänomen "Wurzel"

Das Grundelement eines hebräischen Wortes ist dessen Wurzel. Sie besteht nur aus Konsonanten, meist aus drei. Die Wurzel ist kein Wort: da sie keine Vokale hat, kann sie nicht ausgesprochen werden. Über viele Jahrhunderte wurden die Vokale gar nicht geschrieben.

Die Wurzel

So könnte man sich die Wurzel vorstellen: in die drei Platzhalter werden die drei Konsonanten einer Wurzel eingesetzt.
Dies ist also eine Wurzel mit drei Wurzelkonsonanten:

1. Wurzelkonsonant: KAW
2. Wurzelkonsonant: TAW
3. Wurzelkonsonant: BETH

Die drei Wurzelkonsonanten bilden eine Einheit, sowohl grammatikalisch als auch in ihrer Bedeutung. Die Wurzel selbst ist kein Wort: es fehlen Vokale. Um aus einer Wurzel Worte zu bilden, müssen Vokale hinzugefügt werden. Die Grammatik des Modernhebräischen (Iwrith) hat zahlreiche Möglichkeiten zur Wortbildung. Die Wurzel ist nicht weiter zerlegbar: sie ist der Kern eines Wortes.
Hier sind die Platzhalter für die drei Wurzelkonsonanten etwas auseinandergerückt. Sie geben also somit symbolisch Platz frei für die Vokale, die beim Wort zwischen die Konsonanten treten.
Drei Wurzelkonsonanten sind in die Platzhalter eingesetzt.
Hinzu tritt das Vokalmuster: ein Set von Vokalen, die aus der Wurzel ein artikulierbares Wort machen.

Der 1. Wurzelkonsonant (KAW) erhält in diesem Beispiel ein KAMATS (langes a), der zweite Wurzelkonsonant (TAW) erhält ein PATACH (kurzes a), der dritte Wurzelkonsonant (BETH) hat keinen Vokal. Der Punkt im ersten Wurzelkonsonanten ist kein Vokalzeichen, sondern ein Artikulationszeichen.

(kataw)
er hat geschrieben

Das Wort

Ein hebräisches Wort stellt eine Einheit aus zwei Grundbestandteilen dar, den Wurzelkonsonanten und dem Vokalmuster. Das Vokalmuster ist eine Kombination aus Vokalen, die mit verschiedenen Wurzeln verbunden werden können und so ein Wort bilden. Es erzeugt verschiedene Wortarten oder fügt der Grundbedeutung der Wurzel eine Bedeutungsvariante hinzu.

Das Vokalmuster im Beispiel (kataw)/er hat geschrieben stellt eine feststehende Abfolge von Vokalen dar, die auch auf andere Wurzeln angewendet werden kann. Sie erzeugt aus jeder dreikonsonantischen Wurzel eine Verbform mit denselben Kennzeichen.

Vokalmuster für Verben: BINJAN.

Vokalmuster für Substantive: MISCHKAL.

Das Vokalmuster wird um die Wurzelkonsonanten herum angeordnet: Die Vokalzeichen stehen unter oder über demjenigen Konsonanten, hinter welchem sie artikuliert werden. Die Verbform (kataw) hat nur zwei Vokale: ein langes a (KAMATS) und ein kurzes a (PATACH).

Die hebräische Schrift hält nur Buchstabenzeichen für Konsonanten bereit. Vokale werden mit Hilfe bestimmter Zeichen wiedergegeben: dies sind Punkte und Striche oder eine Kombination aus beiden. Diese Vokalzeichen werden im punktierten Text an den Konsonanten angebracht: meist steht das Zeichen für den Vokal, der einem Konsonanten folgt, unter dem betreffenden Konsonanten. Manche Vokalzeichen stehen auch über dem Konsonanten.

Kovar Verlag